02 Juni Bauprojekte im Tourismusbereich
Bauprojekte im Tourismusbereich
9 Fragen an Peter Marko & Harald Feldkircher
Sowohl am Hochjoch als auch am Golm wird aktuell ein komplexes Bauvorhaben realisiert. Im Doppelinterview -gehalten im höflichen „Muntafuner Du“ – geben Peter Marko (Geschäftsführer Silvretta Montafon) und Harald Feldkircher (Geschäftsführer Technischer Bereich Golm Silvretta Lünersee Tourismus GmbH) einen Einblick in die Planungsphase, informieren über den momentanen Stand der Bauarbeiten und geben einen Ausblick, worauf sich die Gäste des Kapellrestaurants und des Bergrestaurants Grüneck ab der Wintersaison 2025/26 freuen dürfen.
1.Welche Gründe gibt es für die aktuellen baulichen Maßnahmen?
Harald: Das Panorama-Restaurant Grüneck wurde 1972 errichtet und seitdem in regelmäßigen Abständen immer weiter ausgebaut und saniert. Nach über 50 Jahren sind wir jetzt zu dem Entschluss gekommen, dass es Zeit ist, das Restaurant den neusten Standards im Tourismus- und Gastronomiebereich anzupassen und haben uns für einen Abriss mit Neubau entschieden.
Peter: Beim Kapellrestaurant finden wir eine ähnliche Situation vor. Allerdings bleibt die Hülle des Gebäudes bestehen und wir erweitern bzw. modernisieren mit einem aufwändigen Aus- und Umbauprojekt.
Grund für unsere Entscheidung ist unter anderem die sehr erfreuliche Entwicklung des Schrunser Ortszentrums und die dadurch neu erschlossene Zielgruppe an Übernachtungsgästen. Um auch als Bergrestaurant den hohen Ansprüchen dieser Zielgruppe gerecht zu werden, reicht nicht nur die schönste Aussicht, das Gesamtkonzept muss stimmen und daher muss auch die Gastronomie auf ein neues Niveau gehoben werden.
2.Wie lief der Planungsprozess zu den Projekten ab?Wann wurde final mit den Bauarbeiten begonnen und wann ist die Fertigstellung geplant?
Harald: Wir haben mit den Planungen bereits vor gut vier Jahren gestartet. Nachdem klar war, dass wir uns für einen Neubau entscheiden, haben wir im ersten Schritt einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben und im Anschluss daran mit den Ausschreibungen für die verschiedenen Gewerke begonnen. Der finale Startschuss zum Projekt fiel dann vor rund einem Jahr mit dem Abriss des alten Gebäudes. Die Eröffnung ist pünktlich zum Start der Wintersaison 2025/2026, sprich im Spätherbst 2025 geplant.
Peter: Beim Kapellrestaurant geht die Planungsphase bereits bis in die Zeit vor Covid19 zurück. Wir sind durch die Pandemie etwas eingebremst worden und haben dann zunächst den Bau des Silvretta Parks sowie die Erneuerung der Valisera Bahn forciert. Dies war die größte Investition in unserer Firmengeschichte. Die Pläne zum Umbau wurden im Laufe der Jahre immer wieder adaptiert. Der Baustart ist bereits erfolgt und auch wir eröffnen pünktlich zur kommenden Wintersaison.

Kapellrestaurant

Panorama-Restaurant Grüneck
3.Über welche Neuerungen dürfen sich die Gäste freuen und was gibt es während der Umbauphase zu beachten?
Harald: Neben der Unterbringung der Skischule, des Skidepots und eines Sportgeschäfts im neuen Gebäude wird das Bergrestaurant Grüneck künftig in zwei Restauranttypen unterteilt. Der größere Bereich wird mit einem Self-Order-System ausgestattet, was das komfortable Bestellen vom Platz aus via Smartphone/App ermöglicht. Das ermöglicht vor allem Familien mit Kindern einen entspannteren Restaurantbesuch. Auch ein eigenes Kinderrestaurant mit entsprechenden Sitzplätzen, ein großer Indoorspielplatz und die große Sonnenterrasse mit Spielmöglichkeiten sind voll auf die Bedürfnisse von Eltern mit Kindern abgestimmt. Ein zweiter, kleinerer Bereich wird zum Fine-Dining Restaurant mit gehobener Küche und Service. Bei der Planung haben wir uns in allen Gastronomiebereichen bewusst für einen barrierefreien Neubau entschieden. Da aktuell mit Hochdruck am neuen Bergrestaurant gearbeitet wird, führt der Weg während der Bauphase ab Matschwitz über die 4er-Sesselbahn hinauf nach Grüneck. Zu beachten ist dabei, dass dieser Abschnitt nicht barrierefrei ist und Kinder unter 1,25 Meter Körpergröße nur in Begleitung eines Erwachsenen mitfahren können.
Peter: Bei den Umbaumaßnahmen wird das bestehende Selbstbedienungsrestaurant durch einen Anbau vergrößert. Im Erdgeschoss entsteht dabei eine neue Skibar, die man nach innen und außen auf die Terrasse bedienen kann. Der Zubau schafft Raum für eine Panoramaterrasse im Obergeschoss. Das jetzige Bedienlokal wird in eine völlig neue Gastronomiewelt verwandelt. Einerseits schließen wir mit der neuen Rotisserie an erfolgreiche Zeiten an, andererseits erhält diese zusätzlich eine Kaminlounge sowie eine Jagd- und eine Bergstube. Das Highlight wird sicher die neue Weinbar, die nach dem Vorbild der Vinnova neben ausgesuchten Weinen auch kulinarische Höhepunkte bieten wird. Einen der schönsten Ausblicke im Tal bietet nach dem Umbau auch die geräumige Sonnenterrasse mit Blick in das Rheintal.

4.Wird es Veränderungen hinsichtlich der Öffnungszeiten oder spezielle Events in den neuen Gastronomiebetrieben geben?
Peter: Das Kapellrestaurant wird nach dem Umbau sowohl im Sommer als auch im Winter geöffnet sein. Für die zweite Winterhälfte prüfen wir aktuell, die Öffnungszeiten bis in den späteren Nachmittag auszudehnen. Im Eventbereich stehen vor allem Weinveranstaltungen im Fokus. Auch der legendäre Ball2000 soll in Zukunft wieder am Hochjoch stattfinden. Insgesamt verstehen wir das Hochjoch als Berg des Genusses und der Erholung – begleitet von cooler, aber angenehmer Musik im Hintergrund. Ein klassischer Partyberg soll es hingegen nicht werden.
Harald: Das Bergrestaurant Grüneck war bisher nur im Winter geöffnet. Künftig planen wir, dass der Fine-Dining Bereich auch im Sommer für Gäste zugänglich sein wird. Events werden generell immer mehr forciert, wobei ich das Grüneck als ideale Location für Hochzeiten, Familien- und Firmenfeiern und andere geschlossene Veranstaltungen sehe. Wir haben in Zukunft auch eine Bühne im Freien, auf der durchaus auch kleinere
Konzerte stattfinden können.
links: Harald Feldkircher, rechts: Peter Marko
5.Inwiefern ändern sich die Kapazitäten der beiden Restaurants?
Harald: Im Self-Order Bereich werden wir künftig 500 Innen- und, 400 Außenplätze anbieten und zusätzlich nochmal 90 für Kinder. Der Fine-Dining Bereich umfasst rund 80 Innen- und 80 Außenplätze.
Peter: Die allgemeine Kapazität bleibt bei uns im Großen und Ganzen bestehen, allerdings gibt es nach dem Umbau mehr Platz und Abwechslung für unsere Gäste.
6.Gute Restaurants leben auch von gutem Service. Gestaltet sich die Suche nach Fachkräften für diesen Bereich nach wie vor schwierig oder hat sich die Lage in den vergangenen Jahren wieder etwas entspannt?
Peter: Wir hatten in der vergangen Wintersaison 2024/2025 zum ersten Mal keine Probleme mit dem Finden von Arbeitskräften. Das mag auch daran liegen, dass einige Mitarbeiter*innen, welche die Branche während der Covid19- Pandemie verlassen haben, nun gerne wieder zurückkehren. Außerdem hat die Berggastronomie einen entscheidenden Vorteil – um 17:00 Uhr endet in der Regel der Arbeitstag.
Harald: Ich finde auch, dass sich die Lage wieder etwas entspannt hat. Zeitweise war es wirklich schwierig passende Mitarbeiter*innen zu finden. Aber mich persönlich würde es sehr freuen, wenn sich noch mehr Menschen aus der Region für einen Beruf in der Tourismusbranche entscheiden würden. Hier aufgewachsen zu sein und zu leben, wo andere Urlaub machen ist etwas ganz Besonderes.
7.Werfen wir einen Blick auf die aktuell stattfindenden Bauarbeiten. Welche Gewerke sind derzeit beschäftigt und in welcher Bauphase befindet ihr euch?
Harald: Die Baumeisterarbeiten und Arbeiten an der Gebäudehülle sind nahezu abgeschlossen. Bei uns ist jetzt der Innenausbau mit Sanitäreinrichtungen, Holz- und Glasbau sowie der Kücheneinbau in vollem Gange. Das Zeitfenster für Baustellen im alpinen Bereich ist sehr kurz – da ist es wichtig, dass die Gewerke sich untereinander abstimmen und alles Hand in Hand funktioniert. Deshalb sind wir froh darüber, mit regionalen Firmen starke Partner an unserer Seite zu wissen. Ein solches Projekt ist nur durch gute Teamarbeit realisierbar.
Peter: Da bei uns der Großteil des Hauses erhalten bleibt, entsteht im Moment gerade der Zubau und es wurde mit den Ausbauarbeiten im Inneren begonnen. Wesentlich dabei sind die Holzarbeiten. Hier konnten wir mit der Holzbaufirma Richard Kieber aus Schruns einen starken Partner in der Region finden. Die Bauarbeiten werden von der Firma Nägele Bau aus Röthis, die Installationen von der Firma Harald Kuster aus Schruns gemacht.

8.Welche Rolle spielen die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität bei der Realisierung der Bauvorhaben?
Harald: Wie schon erwähnt, haben wir versucht, möglichst regionale Betriebe mit den Baumaßnahmen zu beauftragen. Außerdem setzen wir auf nachhaltige Rohstoffe und versuchen das Projekt möglichst ökologisch wertvoll zu realisieren. Außerdem setzen wir beim Heizen des Gebäudes auf eine moderne Wärmepumpenanlage, welche die Energie im Drainage-Wasser am Golm verwendet. Die Gesamtheit der Anlagen wird mithilfe von digitalen Systemen zuverlässig gesteuert und überwacht.
Peter: Seit drei Jahren arbeiten wir im Rahmen unserer „Green Mountains“-Initiative intensiv an vielen Nachhaltigkeitsthemen und haben seither auch mehrere Auszeichnungen dafür erhalten. Bei den Umbauarbeiten kommen vorwiegend Firmen aus der Region zum Zug und auch im späteren Gastronomiebetrieb wird größter Wert auf Regionalität bei der Auswahl unserer Produkte gelegt.

9.Sind in naher Zukunft weitere Bauvorhaben dieser Größenordnung geplant?
Peter: Wir sind in einer sehr investitionsintensiven Branche. Bei elf Gastronomiebetrieben, 13 Sportshops, einem Hotel und 35 Liftanlagen gibt es immer Bauvorhaben in Planung. Aktuell werden zwei neue Liftanlagen geplant, sowie eine Erneuerung in unserem Sporthotel in Gaschurn. Machbarkeiten und Genehmigungen entscheiden hier über den zeitlichen Ablauf.
Harald: Natürlich werden uns der Ausbau der Infrastruktur und verschiedenste Sanierungsarbeiten auch in den kommenden Jahren begleiten und wir haben auch schon einige andere Projekte im Kopf. Aber dazu kann ich jetzt noch nicht zu viel verraten. Vielleicht dann im Herbst.

„Mit dem neuen Bergrestaurant Grüneck rücken wir die Bedürfnisse von Familien noch stärker in den Mittelpunkt. Ein moderner Self-Order-Bereich, ein eigenes Kinderrestaurant für (Ski-)Schulen sowie ein Sommer und Winter geöffnetes À-la-carte Restaurant bieten für jeden das passende Angebot. Wir freuen uns sehr, unsere Gäste pünktlich zum Saisonstark am Golm willkommen zu heißen.“
Marcellin Tschugmell, MBA
Leitung Gastronomie & Beherbergung
GSL Tourismus GmbH

„Als Schrunser freut es mich besonders, dass wir mit der größten Gastro-Investition seit 30 Jahren unseren Gästen ein echtes Herzensprojekt auf dem Kapell bieten können.“
Markus Stemer
Leitung Gastronomie
Silvretta Montafon

